13. Dezember 2013

Dem Reiz der Geschwindigkeit erlegen

Cedric Piro ist gerade einmal 15 Jahre alt, hat keinen Führerschein und fährt künftig mit größter Freude und rund 210 Stundenkilometern auf dem Tacho auf Steilkurven zu. Der ambitionierte Kartrennfahrer will sein Hobby einmal zum Beruf machen – und erfährt bei seinem Vorhaben die volle Unterstützung seiner Familie. Vater Erwin Piro ist selbst schon jahrelang im Motorsport aktiv und betreibt das „Team Piro sports“.

Nachdem Cedric als erster Kartfahrer drei Mal in Folge (2011, 2012 und 2013) den Bundesendlauf, also quasi die Deutsche Meisterschaft seiner Altersklasse, gewinnen konnte, krönte er sich im Oktober dieses Jahres mit dem Gewinn des ADAC Kart Masters (Klasse KF3). Statt in die nächst-höhere Klasse „KF2“ oder die Schaltkart-Klasse (je ab 16 Jahren) aufzusteigen, wagen die Piros allerdings schon den übernächsten Schritt: den in den Formelsport. Es gab auch schon Kontakte zu professionellen Teams, aber „da ich selbst aus dem Motorsport komme, will ich das mit meinem Sohn selbst machen. So etwas aufzubauen und Erfolg zu haben, macht uns Spaß“, stellt Erwin Piro klar. Ein teurer Spaß, wie Erwin Piro erklärt: „Wir arbeiten schon mit Sponsoren zusammen, aber man hat im Motorsport nicht das Glück, dass die alles bezahlen.“ Eine Saison im Kartsport kostet auf diesem Niveau über 60.000 Euro, eine Saison im Formelauto lässt sich mit über 200.000 Euro beziffern.

Natürlich kam Sohn Cedric über seinen Vater zum Motorsport. Seit er denken kann, hat er seinen Vater zu den Rennen begleitet. „Irgendwann hat es mich dann gepackt und ich wollte selbst fahren“, sagt Cedric. Damals war er gerade einmal zehn Jahre alt, was für ambitionierte Rennfahrer sogar schon etwas spät ist. Sein erstes Rennen fuhr er ein Jahr später.

Mittlerweile muss Cedric mindestens zwei Mal pro Woche im Krafttraining schuften, am Wochenende sitzt er meistens im Kart oder im neuen Rennauto. Dass man zum leistungsorientierten Rennfahren auch ganzkörperlich fit sein muss, wollte Cedric anfangs nicht wahrhaben. „Mein Papa hat mir das zwar vorher schon erklärt, aber ich habe nicht auf ihn gehört“, sagt er und lacht: „Man merkt das irgendwann selbst an der Ausdauer.“ Sein Vater Erwin nickt zustimmend: „Das kann sich niemand vorstellen, der es vorher nicht selbst gemacht hat. Fitness und Konzentration sind unbeschreiblich wichtig.“ Das weiß Cedric mittlerweile auch und hat sich in beiden Bereichen konstant verbessert. Um am Halten des Fitnesszustandes auch Spaß zu haben, trainiert Cedric zusätzlich beim örtlichen Fußballverein VfB Heusweiler mit: „Ich habe dem Trainer aber von Anfang an gesagt, dass ich das nur mache, um mich fit zu halten. Deshalb verpasse ich die meisten Spiele“, sagt er. In der Schule verpasst er nichts: „Ich bin nicht der Beste in der Schule, aber das geht noch alles. Wenn das nicht klappen würde, dürfte ich auch nicht fahren.“

Und nicht fahren zu dürfen, wäre für den Teenager das Schlimmste: „Mich reizen die Geschwindigkeit und der Kampf auf der Strecke. Dieser Sport ist eigentlich unberechenbar“, schwärmt Cedric, der die permanente Gratwanderung zwischen Glücksgefühl und Gefahr für sich ausblenden kann: „Ich hatte auch schon einen Unfall. Viele sind danach nicht mehr so schnell wie vorher. Bei mir war das nicht so. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man die Gedanken daran, dass etwas passieren könnte, einfach ausblenden muss.“ Das gelingt überraschenderweise auch seiner Mutter: „Ich habe eigentlich keine Angst um ihn. Ich schaue auch nicht, wie andere Mütter, beim Start weg. Ich bin dann zwar aufgeregt, aber ich muss immer wissen, wo Cedric gerade ist“, antwortet Beatrix Piro und wird von ihrem Mann ergänzt: „Ich habe keine Angst, dass ihm etwas passiert. Daran habe ich noch nie gedacht. Man muss immer denken, man ist unverwundbar. Angst habe ich eher davor, dass er ausfallen oder gefoult werden könnte und dadurch seine gute Position verlieren könnte.“ Das scheint bei dem dreimaligen Deutschen Meister und amtierenden ADAC Kart Masters-Gewinner allerdings recht selten der Fall zu sein.

(erschienen in SaarSport 06/2013)

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